EED-Studie zur Fischerei auf dem Weltsozialforum
09.02.2011
EED-Studie auf dem Weltsozialforum kritisiert Benachteiligung westafrikanischer Fischer
Pressemitteilung des Evangelischen Entwicklungsdienstes
Weltsozialforum: EED-Studie kritisiert Benachteiligung westafrikanischer Fischer
(Dakar / Bonn, 7.2.2011) Wenn westafrikanische Fischer gemeinsam mit
Investoren aus Europa und Asien Fischereiunternehmen aufbauen, bleiben
die Netze der Kleinfischer vor Ort leer. Dies geht aus einer Studie
hervor, die der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) auf dem
Weltsozialforum in Dakar vorstellt.
Die Studie des EED untersucht die Arbeitsweise von
Fischereigroßunternehmen in Westafrika. Diese Gemeinschaftsunternehmen
aus europäischen oder asiatischen und westafrikanischen Partnern halten
oft Lizenzen für den so genannten Grundfischfang. Mit dieser Methode
fischen sie in küstennahen Gewässern nach Tintenfischen, Doraden,
Zackenbarschen sowie Hummer und Krabben. Sie treten damit in direkt
Konkurrenz zu einheimischen Kleinfischern. Diese gehen dabei zumeist
leer aus. Lamine Niasse, Fischereiberater und einer der Autoren der
Studie, kritisiert die fehlende Transparenz bei den Verträgen. "Es ist
weitgehend unbekannt, welche Fangmengen die Investoren ausgehandelt
haben und wer die Partner auf westafrikanischer Seite sind. Es gibt
zudem Hinweise darauf, dass afrikanische Investoren oft nur Strohmänner
sind. Sicher ist, dass der Fang nur selten in Westafrika angelandet und
verarbeitet wird."
Außerdem verlegten die Gemeinschaftsunternehmen ihren Sitz in
Freihandelszonen und zahlten auf diese Weise bis zu zehn Jahre lang
keine Steuern, so Niasse. Zudem erhalten sie laut der Studie zu Unrecht
indirekte Subventionen der Europäischen Union. Die Unternehmen dürfen in
europäischen Häfen verbilligten Treibstoff für ihre Schiffe tanken und
erhalten für Modernisierungen der Fangboote Zuschüsse von der
Gemeinschaft.
Die Studie kritisiert darüber hinaus die ökologischen und sozialen
Schäden der Gemeinschaftsunternehmen. Sie zerstörten durch Überfischung
das biologische Gleichgewicht in den küstennahen Gewässern und raubten
Kleinfischer die Existenzgrundlage. Fischerei-Experte Francisco Marí vom
EED kündigt Konsequenzen an: "Wir werden auf Grundlage dieser Studie
gemeinsam mit den westafrikanischen Kleinfischerverbänden mehr
Transparenz bei Investitionen einfordern. Diese
Schein-Gemeinschaftsunternehmen dürfen in Zukunft nicht mehr die
Plünderung der westafrikanischen Gewässer für europäische Fischmärkte
fortsetzen."
Die Studie des Evangelischen Entwicklungsdienstes und mehrerer
westafrikanischer und europäischer Partner wird am Dienstag am Rande des
Weltsozialforums von den europäischen Grünen kurz vorgestellt. Eine
intensivere Diskussion bietet eine Podiumsdiskussion des EED und
westafrikanischer Fischereiverbände am Mittwoch, den 9. Februar, mit den
Autoren der Studie und weiteren Fischerei-Experten.
Die Veranstaltung wird im Internet als Audio- und als Video-Livestream übertragen:
http://www.ustream.tv/channel/daket-de5 (Video und Chat)
http://www.ustream.tv/channel/daket-de5-en (nur Audio, Englisch)
Die Studie in französischer Sprache erhalten Sie als PDF gern auf Rückfrage.
Kontakt:
Michael Flacke
Pressereferent
Evangelischer Entwicklungsdienst e.V.
Ulrich-von-Hassell-Straße 76
53123 Bonn
Telefon: ++49 (0)228 8101 - 2503
Fax: ++49 (0)228 8101 - 160
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