Ozeanen droht Massenaussterben
21.06.2011
Internationaler Workshop zu den kumulativen Effekten von Umwelteinflüssen auf die Ozeane
Erstmalig fand ein internationaler und interdisziplinärer Workshop zu den kumulativen Effekten von Umwelteinflüssen auf die Weltmeere statt.
Dr. Alex Rogers, Initiator des Workshops und wissenschaftlicher Direktor des "International Programme on the State of the Ocean - IPSO" fasst das Ergebnis wie folgt zusammen: "The findings are shocking. As we considered the cumulative effect of what humankind does to the oecan the implications became far worse than we had individually realized."1
Getreu dem Motto "das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile", stehen die Ökosysteme Weltmeere durch die multiplikativen und kumulierenden Effekte einzelner Bedrohungen wie Schadstoffeinträge, Übersäuerung, Erwärmung, Überfischung und Sauerstoffmangel kurz vor dem Kollaps. Der Mensch als ein wesentlicher Faktor ist auf dem besten Weg sich und etlichen anderen Spezies die eigene Lebensgrundlage zu entziehen. Und das erheblich schneller als bisher angenommen.
Der vom Workshop betrachtete Zeitraum umfasst 2020 bis 2050 und die diagnostizierten Veränderungen übertreffen die meisten "worst case"-Szenarien bisheriger Untersuchungen und Vorhersagen. Die gegenwärtigen Anzeichen dieser dramatischen Situation entsprechen denen, die den fünf großen Massensterben der letzten 600 Millionen Jahre vorausgegangen sind, wobei das am nächsten zurückliegende Ereignis vor ca. 65 Millionen Jahren stattfand als bis zu 50% der Arten von manchen Gruppen der Tiefseelebewesen ausgelöscht wurden.
Die Empfehlungen des Workshops lauten daher2
- augenblickliche Reduktion der CO2-Emissionen
- Wiederherstellung der Ökosysteme der Ozeane durch
- Beendigung der Überfischung
- Beendigung von Fischerei und Fischzucht die nicht den Prinzipien von Nachhaltigkeit verpflichtet ist oder gänzlich von staatlichen Subventionen abhängt
- Schaffung von maritimen Schutzgebieten
- Verbot und Kontrolle der Einbringungen von Giften und Nährstoffen in die Meere
- Vermeidung, Reduzierung oder zumindest strikte Regulierung der Ressourcenausbeutung von Öl, Gas und Mineralien
- Abschätzung, Beobachtung und Kontrolle sonstiger maritimer Nutzungen wie erneuerbare Energien, Hochseekabel oder Pipelines
- konsequente und umfassende Implementierung des Vorsorgeprinzips durch Umkehr der Beweislast, d.h. alle Aktivitäten, die die Ozeane betreffen, müssen nachweisen, dass sie keine nachteiligen Effekte haben
- Einrichtung einer "Global Ocean Compliance Commission" zur Überwachung und Erweiterung der UN-Seerechtskonvention und weiterer relevanter Gesetze jenseits der Gerichtsbarkeit einzelner Nationen
Links
[1] Pressemitteilung des »International Programme on the State of the Ocean - IPSO« anlässlich des »International Earth system expert workshop on ocean stresses and impacts - 11th to 13th April 2011 in Oxford«.
[2] Rogers, A.D. & Laffoley, D.d'A: Internatioanl Earth system expert workshop on ocean stresses and impact. Summary Report. IPSO Oxford, 2011
Ozeane: Beispielloses Massenaussterben droht. Kumulative Auswirkung aller anthropogenen Stressfaktoren übertrifft Prognosen bei weitem. scinexx, Springer Verlag, 2011
Kommentar: Meeres- und Klimaschutz sollte nicht dem Establishment überlassen werden. Schattenblick, 2011

