Pressemitteilung von Fair Oceans, 18.06.2026
Die weltweite Überfischung nimmt laut des neuen Berichtes der Welternährungsorganisation weiterhin deutlich zu
Bremen, 18.06.2026
An diesem Dienstag hat die Welternährungsorganisation der UN ihren jüngsten globalen Zustandsbericht zur Fischerei und Aquakultur (State of World Fisheries and Aquaculture, SOFIA 2026) vorgelegt. Anlässlich der Our Ocean Conference, die in dieser Woche vom 16. bis 18. Juni in Kenia stattfand, stellte die Welternährungsorganisation ihr alle zwei Jahre erscheinendes Standardwerk vor Ort in Mombasa der Weltöffentlichkeit vor.
Die Überfischung der weltweit von der Fischereiwirtschaft genutzten und erfassten Fischpopulationen hat sich laut des neuen Berichts der Welternährungsorganisation SOFIA 2026 deutlich erhöht. Mittlerweile sind ganze 37,6 Prozent der 2023 untersuchten Bestände überfischt. Dies ist eine Steigerung von 2,1 Prozent seit der letzten Untersuchung 2021. Dieser Trend hat sich rückblickend verstetigt und konnte von keiner der bisher ergriffenen Maßnahmen im internationalen Fischereimanagement gebremst werden. Jahr für Jahr gefährdet die derzeitige Fischereipraxis also immer größere Teile der natürlichen Nahrungsreserven im Ozean.
Kai Kaschinski, Projektkoordinator von Fair Oceans, zu den weitreichenden Konsequenzen dieses Trends: „Bei einer gleichbleibenden Zuwachsrate in dieser Höhe sind 2040 mindestens die Hälfte aller Bestände überfischt. Damit wäre nicht nur die Fischerei in einer kritischen Lage, sondern die marinen Ökosysteme und deren Stabilität insgesamt. Obwohl die Fakten bekannt sind und deutliche Warnungen ausgesprochen wurden, versagt das Fischereimanagement nach wie vor. Ein Beispiel für die drohenden Folgen ist die Situation in der Ostsee und der Zusammenbruch der dortigen traditionellen Fischereien. Passiert etwas Vergleichbares im globalen Süden, sind die sozialen Auswirkungen erheblich schwerwiegender und große Teile der dortigen Küstenbevölkerung könnten in Existenznot geraten.“
Die FAO versucht die Dramatik dieser Entwicklung bei der Erläuterung ihrer eigenen Daten in den Hintergrund zu rücken und durch eine Konzentration auf spezifische Einzelaspekte die Gesamtproblematik zu verharmlosen. Betont wird stattdessen der mit 72,6 Prozent mengenmäßig hohe Anteil aus nachhaltig befischten Beständen an den globalen Anlandungen. Die Tragweite der Überfischung und ihre dramatischen Konsequenzen geraten so aus dem Blick.
Kai Kaschinski kritisiert diese Verschleierungstaktik: „Ein Taschenspielertrick bei der Interpretation der Fischereistatistiken, denn wie sollte es auch anders sein. Es ist kaum denkbar, dass die 37,6 Prozent an überfischten oder völlig zusammengebrochenen Beständen noch eine gute Basis dafür bieten würden, um mit ihnen diese hohen Fangmengen zu erzielen. Dass trotzdem immer noch ganze 27,4 Prozent der Anlandungen aus diesen kaputten Beständen stammen, ist tatsächlich eine weitere sehr schlechte Nachricht und alles andere als eine Erfolgsmeldung. Jede Form der Erholung der übernutzten Fischpopulationen wird so verunmöglicht.“
Sollen die ökologischen und sozialen Probleme, die hier perspektivisch zu erwarten sind, gelöst oder zumindest verringert werden, gilt es zum einen die industrielle Fischerei weltweit stark einzuschränken und im Gegenzug die handwerkliche Kleinfischerei zu fördern. Zum anderen müssen wirksame Meeresschutzgebiete eingerichtet werden, die eine Regeneration der Fischpopulationen und marinen Ökosysteme erleichtern. Dafür ist allerdings zunächst ein Kernproblem der Meerespolitik zu lösen, die Überwachung der Ozeane und Meere ist deutlich zu verstärken, um das Seerecht und bereits vorhandene Regelungen konsequent durchzusetzen.
Kai Kaschinski verweist hierzu auf mögliche Handlungsansätze: „Ein Weg dahin kann die Einrichtung von Zonen entlang der Küsten sein, die ausschließlich der Kleinfischerei vorbehalten sind und in Abstimmung mit den lokalen Küstengemeinschaften und dem Meeresschutz ausgestaltet werden. Seit 2024 unterstützen die 79 Staaten der Organisation Afrikanischer, Karibischer und Pazifischer Staaten (OACPS) die Ausweisung solcher so genannter Artisanal Stewardship Areas. Damit wird die industrielle Fischerei aus den ökologisch besonders sensiblen, küstennahen Meeresbereichen verbannt. An ihre Stelle tritt die handwerkliche Kleinfischerei mit dem Ziel die Belastung der marinen Ökosysteme zu verringern sowie zugleich die Existenz- und Nahrungsgrundlagen der Küstengemeinschaften zu gewährleisten. Ohne eine solche strukturell einschneidende Maßnahme wird sich die Abwärtsspirale, in der sich die Fischerei befindet, ungebrochen fortsetzen. Noch können wir entscheiden welches Meer wir wollen. Eines mit oder eines ohne gesunde Fischschwärme. Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr.“
Kai Kaschinski, Fair Oceans Bremen




