Manifest für eine Zukunft ohne Plastikverschmutzung
Ein starkes, globales Plastikabkommen für die Welt
UN-Plastikabkommen – Zukunftsfragen der globalen Umweltpolitik
Fair Oceans hat das Manifest von BreakFreeFromPlastic unterzeichnet und unterstützt die Initiativen, die sich für ein strenges Plastikabkommen aussprechen, das bereits die Produktion von Plastik stark einschränkt. Ein Abkommen, das sich auf bessere Maßnahmen zum Recycling und zur Müllsammelung beschränken würde, wäre letztlich nicht mehr als ein Ausdruck des Versagens der globalen Umweltpolitik. Nur ein umfassender, genereller Abschied vom Plastik und die weitgehende Einstellung seiner Produktion kann die vollständige Verschmutzung unserer Welt mit Plastikmüll, Mikro- und Nanoplastik verhindern oder zumindest eindämmen.
Da die Plastikindustrie zu einem der zentralen Abnehmer von Öl und Gas geworden ist, haben die politischen Entscheidungen rund um das Plastikabkommen direkte Auswirkungen auf den Klimaschutz und die Abwicklung der fossilen Wirtschaftskonzepte. Die Lieferung der Grundstoffe für die Plastikproduktion ist ein wachsender Markt und eine Zukunftsperspektive für die Ölindustrie, wenn die Nachfrage an anderer Stelle aufgrund der Umstellung auf alternative Energieträger sinken sollte. Offshore werden trotz der Klimaziele weiterhin weltweit große neue Öl- und Gasfördergebiete erschlossen.
Zudem darf nicht vergessen werden, dass die Ausgestaltung des Plastikabkommens in weiten Teilen eine Diskussion um die Chemie- und Schadstoffpolitik im Generellen ist. Wer bewertet die Risiken und möglichen Gesundheitsschäden von Umweltverschmutzungen? Weche Grenzwerte werden zugrunde gelegt? Wer wird bei Schäden haftbar gemacht, in welchem Umfang geschieht dies und nach welchen Prinzipien wird dabei verfahren? Sind die Verursacher oder die Geschädigten in der Beweispflicht? Wer haftet am Ende für die Schäden? Werden die Kosten auf das Gemeinwesen abgewälzt oder werden die Produzenten des Mülls, der Schad- und Giftstoffe zur Verantwortung gezogen? In der Plast-Chem-Datenbank sind mehr als 16.000 Chemikalien erfasst, die für die Herstellung von Plastik genutzt werden. Von diesen werden aktuell mindestens 4.200 als bedenklich eingestuft.
Die Ausformulierung der Konvention entscheidet also im Kern über mehr als nur die Eindämmung der Plastikflut. Entscheidende Grundsatz- oder vielleicht besser Zukunftsfragen der Umweltpolitik werden hier mitverhandelt.
Manifest für eine Zukunft ohne Plastikverschmutzung – Ein starkes, globales Plastikabkommen für die Welt
Plastik ist keine Option, sondern eine Zumutung für unser tägliches Leben. Es hat schädliche Auswirkungen auf das Klima, die biologische Vielfalt, die menschliche Gesundheit, Menschenrechte und die Fähigkeit unseres Planeten, Leben zu erhalten. Ohne eine erhebliche Reduzierung der Plastikproduktion werden die durch Plastik verursachten Schäden weiter zunehmen.
Menschen auf der gesamten Welt – von allen Kontinenten und zahlreichen Gemeinschaften – haben ihre Unterstützung für Maßnahmen zum dringenden Umgang mit der unkontrollierten Produktion, dem Verbrauch und der Verschmutzung durch Plastik zum Ausdruck gebracht. Nach dreijährigen Verhandlungen über ein Plastikabkommen erwartet die Welt, dass sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem nächsten Treffen im August in Genf auf ein zielführendes Abkommen einigen. Nur ein international rechtsverbindliches Abkommen, das auf den folgenden Schlüsselelementen basiert, kann die Plastikverschmutzung über den gesamten Lebenszyklus hinweg – von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Entsorgung – erfolgreich beenden. Die Welt braucht ein ambitioniertes Abkommen, das die Rechte und die Gesundheit der Menschen wirksam bewahrt, Gemeinschaften beschützt und den Planeten erhält.
Als Unterzeichnende des „Manifests für eine Zukunft ohne Plastikverschmutzung” fordern wir nachdrücklich ein Abkommen, das unser Recht auf eine gesunde Umwelt einfordert.
Ein erfolgreiches Plastikabkommen muss:
- Globale Regeln aufstellen, welche die produzierte Plastikmenge kontrollieren: Für ein wirksames Abkommen sind verbindliche Regeln und Zielvorgaben für die Produktion und das Angebot von Plastik, einschließlich eines schlussendlich endgültigen Ausstiegs aus der Produktion, unabdingbar. Wir brauchen ein Rechtsinstrument, das die Klimaziele erfüllt, mit anderen multilateralen Umweltabkommen im Einklang steht und die dreifache planetare Krise – Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt und Umweltverschmutzung – bekämpft.
- Die menschliche Gesundheit, biologische Vielfalt und Umwelt vor schädlichen Chemikalien schützen: Das Abkommen muss Chemikalien und Gruppen von Chemikalien, die eine Gefahr für die menschliche Gesundheit, die Biodiversität und die Umwelt darstellen, entlang des gesamten Lebenszyklus von Plastik verbieten und vor untragbaren Ersatzstoffen schützen.
- Die Wahrheit über Plastik aufdecken: Wir benötigen transparente Informationen über Plastik und Mechanismen, die sicherstellen, dass diese Informationen entlang des gesamten Lebenszyklus von Plastik zurückverfolgt werden können. Dies ist unerlässlich, um Ausgangswerte und Ziele festzulegen, Chemikaliensicherheit vor der Markteinführung von Chemikalien und Produkten zu bewerten, sowie um Fortschritte zu messen und die Wirksamkeit zu beurteilen.
- Gerechte und solide Finanzmittel für die Umsetzung des Abkommens gewährleisten: Wir brauchen klare finanzielle Zusagen der Industrieländer, sowie nachhaltige, angemessene, gut zugängliche und vorhersehbare Finanzmittel, um die Umsetzung des Abkommens, seine Einhaltung, einen gerechten Übergang und Sanierungsmaßnahmen zu unterstützen. Verursachende müssen die finanziellen Kosten für die Verwirklichung dieser Ziele tragen.
- Einen gerechten Übergangs für betroffene Menschen und Gemeinschaften ermöglichen: Das Abkommen muss eine verpflichtende “Just Transition” für Arbeiter*innen entlang des Lebenszyklus von Kunststoffen, für “Waste-Pickers” und andere informelle Arbeitskräfte sowie für Arbeitskräfte in Genossenschaften, für indigene Völker und “Frontline-Communities” oder direkt betroffene Gemeinschaften sicherstellen. Dazu gehören finanzielle Unterstützung, die offizielle Anerkennung ihrer Rechte, Transparenz über die gesundheitlichen Auswirkungen der Verschmutzung durch Plastik entlang des gesamten Lebenszyklus und eine umfassende Beteiligung an der politischen Gestaltung.
- Abfallkolonialismus und Umweltrassismus bekämpfen: Der Handel mit Abfällen muss eingeschränkt werden. Außerdem muss verhindert werden, dass ein Umweltrassismus fortbesteht, bei dem marginalisierte Gemeinschaften am Ende die größten Kosten der Verschmutzung zu tragen haben. Das Abkommen muss umweltschädliche Technologien wie Verbrennung, chemisches Recycling und Energiegewinnung aus Abfall ausschließen, zusätzliche Schäden vermeiden und Schutzmaßnahmen für die menschliche Gesundheit, die biologische Vielfalt und die Umwelt gewährleisten.
- Mehrweg- und Nachfüllsysteme in einem Wirtschaftssystem jenseits von Kunststoffen priorisieren: Das Abkommen muss der Entwicklung und dem Ausbau von sicheren, schadstofffreien und leicht zugänglichen Systemen zur Wiederverwendung und Wiederbefüllung Priorität einräumen, um von einem verfehlten, auf Recycling ausgerichteten Modell wegzukommen.
- Ländern erlauben abzustimmen, wenn keine Einigung erzielt werden kann: Länder muss es ermöglicht werden, Entscheidungen über wesentliche Fragen durch Mehrheitsbeschluss zu treffen, wenn kein Konsens zwischen allen Ländern erzielt werden kann, um zu verhindern, dass eine Handvoll Länder mit geringen Ambitionen des Abkommens schwächen.
- Menschenrechte schützen: Die Verschmutzung durch Plastik bedroht weiterhin die Menschenrechte heutiger und künftiger Generationen entlang des gesamten Lebenszyklus von Plastik. Wir haben ein Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt sowie das Recht auf Information, Partizipation und Zugang zur Justiz. Das Abkommen muss diese Rechte wahren.
- Verschmutzer aus dem Entscheidungsprozess ausschließen: Wir können nicht zulassen, dass unsere Zukunft mit Plastik von Eigeninteressen bestimmt wird. Das Abkommen muss ausdrückliche Maßnahmen gegen Interessenkonflikte enthalten, um vor kommerziellen und Eigeninteressen, insbesondere der Kunststoffindustrie sowie der fossilen Brennstoff- und petrochemischen Industrie, geschützt zu sein.
Gemeinsam müssen wir die Staaten weltweit dazu auffordern, ein ehrgeiziges und wirksames Abkommen zu verabschieden.
Die Zeit ist reif.
BreakFreeFromPlastic is the global movement working to achieve a future free from plastic pollution. More than 13,000 organizations and individuals around the world have come together to demand reductions in single-use plastics and to advocate for lasting solutions to the plastic pollution crisis. BFFP members work together to bring about systemic change by tackling plastic pollution across the whole value chain – from extraction to disposal – focusing on prevention rather than cure.
https://www.breakfreefromplastic.org/manifesto-plastic-pollution-free-future/
Weitere Links zum Hintergrund:
https://news.un.org/en/story/2025/08/1165563
https://www.iisd.org/inside-inc-5
https://www.greenpeace.de/publikationen/Hintergrundpapier%20INC%205.2_0.pdf
https://wedocs.unep.org/bitstream/handle/20.500.11822/42277/Plastic_pollution.pdf?sequence=3
https://malaysia.un.org/sites/default/files/2022-02/POLSOLSum_1.pdf





