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Küstenzonen

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An unseren Küsten, wo Meer und Land aufeinandertreffen, lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. 2/3 der Megacities befinden sich hier. Die Menschen, die an den Küsten leben, müssen sich dabei auf wachsende Bedrohungen ihres Lebensraumes durch Naturkatastrophen, Meeresspiegelanstieg, Übernutzung, Erosion und der Vernichtung natürlicher Schutzzonen (z.B. Mangrovenwälder) einstellen. Mehr als die Hälfte der Küstenökosysteme werden entweder übernutzt oder sind bereits zerstört. Erwartungsgemäß sind intakte Küstenökosysteme in solchen Regionen am wichtigsten, in denen die Menschen Küsten und Meere als natürliche Ressource und Nahrungsquelle nutzen. Häufig sind dies Regionen größerer Armut. Diese Küstengemeinden brauchen eine alternative Entwicklungsperspektive.

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Meerespolitik muss so gestaltet sein, dass sie den Küstengemeinden lokal angepasste Strategien nachhaltiger Entwicklung eröffnet, die sowohl auf einer Mitbestimmung bei den maritimen Erschließungsprogrammen als auch auf der Teilhabe an den Einkünften aus der Raum- und Ressourcennutzung beruhen. Entwicklungspolitische Programme müssen deshalb ein besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse der Küstengemeinden legen.

Statt klassische Wachstumsmodelle zu verfolgen, sollte eine nachhaltige „Blaue Ökonomie“ die planetaren ökologischen Grenzen anerkennen, die Artenvielfalt und die Küstenökosysteme schützen und Techniken mittlerer Technologie bevorzugen, die ressourcenschonend arbeiten, sich an Modellen der Kreislaufwirtschaft orientieren und zugleich eine regionale ökonomische Entwicklung im globalen Süden voranbringen. Dabei muss sichergestellt werden, dass Meeresschutzmaßnahmen nicht die Bekämpfung von Hunger und Armut gefährden und das Küstenzonenmanagement dennoch alle kumulativen Effekte der unterschiedlichen anthropogenen Nutzungen beim Aufbau und Betrieb von maritimen Projekten beachtet. Weder alte noch neu geplante Nutzungsformen dürfen im Widerspruch zum Meeresschutz stehen

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Unser Engagement

    Weiterführendes

    world ocean review
    https://worldoceanreview.com/wor-5/

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    Inselstaaten

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    Die Kleinen Inselentwicklungsländer [Small Island Developing Countries = SIDS] sind in einer kritischen Lage. Die Zahl der weltweit verteilten Inselstaaten und kleinen, niedrigliegenden Entwicklungsländer ist erheblich. 57 Staaten und abhängige Territorien werden von der UN unter dieser Kategorie erfasst. 37 von ihnen sind stimmberechtigte Mitgliedsstaaten der UN. Zusammengenommen sind damit mehr als ein Viertel der Entwicklungsländer SIDS. Aufgrund ihrer spezifischen geografischen und sozialen Situation haben die UN eigenständige Strategien zur Unterstützung der SIDS aufgelegt.

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    Dazu gehören das Barbados Programme of Action [BPOA] von 1994, die Mauritius Strategy of Implementation [MSI] von 2005 sowie der SIDS Accelerated Modalities of Action Pathway [Samoa Pathway] von 2014. Engagiert ist die Alliance of Small Island Statesm [AOSIS], die seit 1991 bestehende politische Koalition der SIDS, unter anderem in der Klima- und Meerespolitik. Die Beiträge und der Druck der SIDS haben wesentlich dazu beigetragen, dass das Ziel Nachhaltiger Entwicklung 14 zu den Ozeanen und Meeren in die Agenda 2030 aufgenommen wurde.

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      Weiterführendes

      Vereinte Nationen – Sustainable Development
      https://sustainabledevelopment.un.org/topics/sids
      https://sustainabledevelopment.un.org/sids2014/samoapathway

      Vereinte Nationen – Office of the High Representative for the Least Developed Countries
      http://unohrlls.org/about-sids/

      UNESCO
      http://www.unesco.org/new/en/natural-sciences/priority-areas/sids/about-unesco-sids/unesco-sids-platform/

      Vereinte Nationen – Small Island Developing States
      http://www.sids2014.org/index.php?menu=14
      http://www.sids2014.org/

      UNCTAD
      https://unctad.org/en/Pages/ALDC/Small%20Island%20Developing%20States/UN-recognition-of-the-problems-of-small-island-developing-States.aspx

      Alliance of Small Island States (AOSIS)
      http://aosis.org/

      Caribbean Community (CARICOM)
      https://caricom.org/

      The Pacific Community
      https://www.spc.int/

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      Katastrophen

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      Auf 2 Prozent der Landfläche, der Low-Elevation Coastal Zone [LECZ], leben über 600 Millionen Menschen weniger als 10 Meter über dem Meeresspiegel. Zweidrittel der Weltstädte mit mehr als 5 Millionen Bewohnern liegen dort. Bei einem Meeresspiegelanstieg von einem halben Meter würden rund eine Million Quadratkilometer überflutet werden. Besonders gefährdet sind die Small Island Developing States [SIDS] aufgrund ihrer sozialökonomischen Situation und ihrer exponierten Küstenlage. Die SIDS sind dadurch nicht nur durch den Meeresspiegelanstieg gefährdet, sondern auch durch Naturkatastrophen wie Stürme, Fluten und Tsunamis. Unter den 10 Staaten mit der größten Anzahl von Naturkatastrophen zwischen 1970 und 2010 befinden sich 6 SIDS.

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      Das Sekretariat der UN für die Internationale Strategie zur Katastrophenvorsorge weist darauf hin, dass Küstenökosysteme wie Mangroven, Marschland, Korallenriffe und Seegras natürliche Schutzbarrieren darstellen und die Auswirkungen von extremen Naturereignissen wie etwa Sturmfluten vermindern. Die durchschnittlichen Todeszahlen infolge von Katastrophen waren zwischen 1992 und 2012 in Entwicklungsländern fünfmal höher als in Industriestaaten. Untersuchungen zeigen, dass die Sterblichkeitsraten bei Katastrophenereignissen und das Ausmaß ihrer Auswirkungen vom Wohlstand der betroffenen Nationen abhängig sind. Am härtesten sind im Allgemeinen Frauen und Kinder von Katastrophen und deren Auswirkungen betroffen.

      Der Bedrohung durch marine Naturkatastrophen muss kooperativ und solidarisch begegnet werden. Risikoanalysen und Katastrophenschutzmaßnahmen müssen international koordiniert und finanziert werden. Inselstaaten und Entwicklungsländer müssen bei ihren Anstrengungen zum Meeres- und Küstenschutz wie bei der Abmilderung der damit einhergehenden sozialen Auswirkungen, wie Migrationsbewegungen, dem Verlust landwirtschaftlicher Flächen, Umsiedelungen oder dem Bau von Schutzanlagen, von der Weltgemeinschaft unterstützt werden. Hierfür ist bis 2020 ein internationaler Fonds einzurichten, der den Aufbau von Frühwarnsystemen und den Küstenschutz effektiv unterstützt. Angesetzt werden muss im Küstenschutz vorrangig allerdings bei der Regeneration der natürlichen Küstenökosysteme.

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        Tourismus

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        Der Tourismus ist mit 5 Prozent vom globalen Bruttosozialprodukt und 6 bis 7 Prozent aller Beschäftigten einer der wichtigsten Sektoren der Weltwirtschaft. An die 80 Prozent des Umsatzes im Tourismus werden an den Küsten und auf See gemacht. Für den Tourismus werden große Küstenabschnitte umgestaltet und bebaut. Tourismus-Zentren konkurrieren mit den Küstengemeinden um die Zugänge zum Meer. Immer wieder sind die wenigen für den Tourismus attraktiven Sandstrände zugleich auch die einzigen zugänglichen Anlandestellen für die Kleinfischerei. Touristische Freizeitaktivitäten, die massenhaft und oft zudem in bisher unerschlossenen Regionen stattfinden, belasten überdies die Küstenökosysteme zusätzlich. Ein gesondertes Problem stellt die Kreuzschifffahrt dar, deren Ressourcenverbrauch überdurchschnittlich hoch ist, während ihre ökonomischen Effekte für die angesteuerten Küstenregionen unterdurchschnittlich sind.

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        Bis 2020 sollten internationale soziale und ökologische Standards für den Küstentourismus aufgestellt werden.  Beim Aufbau von touristischen Angeboten müssen die sozialen, ökonomischen und ökologischen Folgen für die betroffenen Küstenregionen im Vordergrund stehen. Grade im globalen Süden müssen die Küstengemeinden an den Planungen wie auch an den finanziellen Gewinnen beteiligt werden, so dass sie positive Effekte für die Bekämpfung von Hunger und Armut haben. Traditionelle Rechte und der Zugang zum Meer dürfen durch Tourismus-Projekte nicht beschnitten werden. Eine Privatisierung der Küsten und ihrer Strände hat zu unterbleiben.

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          Weiterführendes

          Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
          http://www.bmz.de/de/themen/nachhaltige_wirtschaftsentwicklung/tourismus/index.html

          World Tourism Organization (UNWTO)
          http://sdt.unwto.org/content/tourism-and-small-islands-developing-states-sids