Der Tiefseebergbau ist ein in vieler Hinsicht umstrittenes Projekt zur Förderung der Bodenschätze in den Weltmeeren. Neben den ökologischen Risiken für die Ozeane, die mit dem Abbau von Erzvorkommen in der Tiefsee einhergehen, sind damit auch soziale Gefahren für die vielen Inselstaaten im Südpazifik verbunden. Sie verfügen teils über reiche Vorkommen an Mineralien in ihren Meeresgebieten. Daher werden diese Inselstaaten mit Versprechen durch deren Förderung zu finanziellem Reichtum zu kommen, von einigen zweifelhaften Start-Ups und Unternehmen dazu verlockt Abbaulizenzen zu vergeben. Dadurch verschärft der Tiefseebergbau schon bestehende Rohstoffkonflikte und Menschenrechtsverletzungen in der Region und gefährdet die küstennahen Ökosysteme und die Ernährungssicherheit der Menschen auf den Inseln, für die Fisch die wichtigste Proteinquelle ist.
So sind die Regierungen in Ozeanien zu Risiken und Vorteilen des Erzabbaus in der Tiefsee gespalten. Ein Teil der Staaten lehnt ihn konsequent ab. Ein anderer Teil erhofft sich notwendige Finanzmittel, z.B. um den Auswirkungen der Klimakrise begegnen zu können. Unter anderem die Cookinseln und Nauru gehören zu den Vorreitern des Bergbaus am Meeresboden.
Doch der Widerstand gegen den Tiefseebergbau ist groß im Pazifik, gerade in den betroffenen Küstengemeinschaften, der Zivilgesellschaft und den Kirchen. Die Menschen in Papua-Neuguinea leisten bereits seit 2008 Widerstand gegen Abbauprojekte vor ihren Küsten und trugen dazu bei den Start des ersten kommerziellen Förderprojekts in der Tiefsee zu stoppen. Leider gibt es seit 2024 neue Versuche die Bodenschätze in der „Bismarcksee“ doch noch zu heben. Brot für die Welt und Fair Oceans begleiten und unterstützen die Proteste in Papua-Neuguinea und im ganzen Südpazifik gegen den Tiefseebergbau und werben in Deutschland unter anderem mit dieser Veranstaltung für Unterstützung und Aufmerksamkeit.
Unsere Gäste
Johann Saathoff ist Staatssekretär im Entwicklungsministerium (BMZ) und kann die Beweggründe der Bundesregierung für eine „vorsorgliche Pause“ im Tiefseebergbau schildern, sowie den Einsatz des BMZ in Ozeanien für Klimaschutz und den Erhalt natürlicher Ressourcen, wie zum Beispiel zur Sicherung des lebenswichtigen Fischfangs.
James Bhagwan ist Generalsekretär des Pazifischen Kirchenrates, international präsent in der Meerespolitik und Mitbegründer der pazifischen „Blue Line“ Initiative gegen den Tiefseebergbau und wird neben den politischen Zusammenhängen auch von der spirituellen Bedeutung der Meere für die Bewohner*innen der Inselstaaten berichten.
Antje Schneeweiß ist Geschäftsführerin des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren in der evangelischen Kirche in Deutschland und stellt das Projekt „Moratorium für Tiefseebergbau – kirchliche Investoren (AKI) engagieren sich“ vor
Jan Pingel koordiniert den Ozeanien-Dialog, engagiert sich in der AG Tiefseebergbau der deutschen Zivilgesellschaft und wird von seiner Teilnahme am nationalen Ratschlag zum Tiefseebergbau in Papua-Neuguinea berichten.
Programm
ab 18:30 Uhr Begrüßung und Imbiss in der Ausstellung „Kantri bilong yumi: Papua-Neuguinea 50 Jahre unabhängig“ zur Kunst in Papua-Neuguinea
19:30 Uhr Einführung in die Veranstaltung und Grußwort, Brot für die Welt
19:45 Uhr Keynote Staatssekretär Johann Saathoff, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
20:00 Uhr Keynote Rev. James Bhagwan, Pazifischer Kirchenrat
20:15 Uhr Podiumsgespräch mit Johann Saathoff, James Bhagwan, Antje Schneeweiß, Arbeitskreis Kirchlicher Investoren
und Jan Pingel, Koordinator des Ozeanien-Dialogs
moderiert von Marie-Luise Abshagen, stellvertretende Leitung des Forums Umwelt und Entwicklung
21:00 Uhr Diskussion im Plenum
21:30 Uhr Abschluss der Veranstaltung
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und einen regen Austausch!
Die Teilnahme ist kostenfrei
Eine Sprachübersetzung ins Deutsche findet statt