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Meeresschutz

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Die Meeresverschmutzung muss an ihrer Quelle bekämpft werden!

Bis zu 8 Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr in den Ozeanen. Mehr als 100 Millionen Tonnen Kunststoff haben sich so mittlerweile in den Weltmeeren angesammelt. In den Meeren hält sich Plastik sehr lange, oft mehrere Jahrhunderte. 450 Jahre braucht eine Plastikflasche bis sie erfallen ist. Bei diesem Prozess löst sich das Plastik nicht vollständig auf. Es zerkleinert sich lediglich und wird größtenteils zu winzigen Mikroplastik-Teilchen, die Eingang in die Nahrungsketten finden können. Es ist jedoch keineswegs nur Plastikmüll, der in den Meeren deponiert wird. Über die Flüsse, die Küsten, die Atmosphäre und direkt von See aus gelangt Müll jeder Art im Meer. Rund 70 Prozent der Abfälle sinken früher oder später zu Boden. In europäischen Gewässern wurden auf dem Meeresboden pro Quadratkilometer bis zu 100.000 sichtbare Müllteile gezählt. Bis 2025 sollten die Mülleinträge in die Weltmeere um mindestens 50% reduziert werden. Dies gelingt nur durch eine Vermeidung der Müllproduktion an Land und auf See.

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Um die Einträge zu verringern, müssen deshalb effektive Maßnahmen im Bereich der Ressourceneffizienz, des Produktdesigns, der Kreislaufwirtschaft, des Recyclings und des Abfallmanagements durchgesetzt werden. Der überwiegende Teil der Meeresverschmutzung hat seinen Ursprung an Land. Nur wenn die Umweltpolitik an Land erfolgreich ist und die Quellen beseitigt werden, können die Meere umfassend geschützt werden.

Ein besonderes Augenmerk sollte auf Giftstoffe wie Schwermetalle und radioaktives Material gelegt werden. Deren Einleitung und Deponierung in den Meeren muss verboten bzw. soweit möglich eingestellt werden. Die mit den künstlichen, bereits im Meerwasser enthaltenen Giftstoffen verbundenen Gesundheitsrisiken müssen erfasst und offengelegt werden

Meeresschutz muss global sein!

Der Meeresschutz darf nicht auf die eigentlichen Schutzgebiete beschränkt bleiben. Eine Unterteilung der Ozeane in Schutzgebiete auf der einen und Schmutzgebiete, in denen sich der Umweltzustand kontinuierlich verschlechtert, auf der anderen Seite ist nicht akzeptabel. Die zunehmend intensivere Nutzung der Meeresressourcen darf nicht wie an Land zu einem wachsenden Verlust an Artenvielfalt führen. Deshalb ist es notwendig, den Meeresschutz flächendeckend zu konzipieren und international zu koordinieren. Meeresverschmutzung kennt keine Grenzen. Eine Voraussetzung für ein entsprechendes Vorgehen ist, dass die UN die marine Forschung und den internationalen Wissensaustausch stärker koordiniert und Länder des Südens zu eigenen Forschungsprogrammen ermächtigt werden. Bis 2020 sollte ein weltweites, interdisziplinäres und kontinuierliches Monitoring-Programm zum Zustand der Ozeane und Meere etabliert werden, das den Bericht des Generalsekretärs zur Meerespolitik vor der UN-Generalversammlung [UNGA] regelmäßig ergänzt und eine genaue Analyse der Ursachen vornimmt.

Darüber hinaus müssen sofort zielgerichtete Maßnahmen ergriffen werden, die allgemeine Probleme adressieren, die nicht an den Grenzen von Schutzgebieten haltmachen, wie die Lärmverschmutzung durch den Schiffsverkehr oder Offshore-Bauvorhaben. Umgehend sollten in diesem Zusammenhang auch Maßnahmen verabschiedet werden, die die Sandentnahme aus dem Meer streng reglementieren.

Meeresschutzgebiete müssen deutlich ausgeweitet werden!

Die Forderung im Strategischen Plan der CBD 10% der Meeresfläche bis 2020 unter Schutz zu stellen ist eine wesentliche Voraussetzung für einen effektiven Meeresschutz. Bis 2030 sollte sich die Fläche der Schutzgebiete auf 20% der Ozeane und Meere vergrößert haben.  Die Größe der Schutzgebiete muss dabei den ökologischen Nischen der zu schützenden Arten, ihren Rhythmen und dem Beziehungsgeflecht der jeweiligen Ökosysteme angepasst werden. Generell müssen die Naturschutzmaßnahmen auf Basis ökosystemarer Betrachtungen bestimmt werden. Innerhalb der Schutzgebiete sollte eine Zonierung etabliert werden, die Nullnutzungszonen mit Bewirtschaftungsverbot einschließt.

Die Ausdehnung der Schutzgebiete, ihre Lage sowie ihr Management müssen partizipativ und transparent auf Grundlage der Erfordernisse des Naturschutzes festgelegt werden. Die Rechte der lokalen Bevölkerung müssen hierbei gewahrt bleiben und kulturelle Besonderheiten im Naturverständnis berücksichtigt werden.

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Unser Engagement

    Weiterführendes

    International Union for Conservation of Nature (IUCN)
    https://www.iucn.org/theme/marine-and-polar/our-work

    UN Enviroment
    https://www.unenvironment.org/explore-topics/oceans-seas

    Europäische Umweltagentur (EUA)
    https://www.eea.europa.eu/de/themes/water

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    Klimawandel

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    In den Ozeanen sind die Auswirkungen des Klimawandels bereits heute zu spüren. Die negativen Folgen der steigenden Kohlendioxidkonzentration werden tagtäglich kritischer.  Konkret sind dies ein abnehmender Sauerstoffgehalt, eine Erwärmung des Meerwassers, der Meeresspiegelanstieg und die Ozeanversauerung. Alle vier Entwicklungen schädigen  momentan die marinen Ökosysteme und die Nutzung der Ressourcen. Die Korallenriffe werden weltweit durch die Erwärmung und Ozeanversauerung in Mitleidenschaft gezogen. Küstenorte müssen auf den Meeresspiegelanstieg reagieren und ihren Flutschutz ausbauen. Das Gefahrenpotential des Klimawandels ist für Inselstaaten besonders hoch. Trotz  alarmierender Hinweise hat die internationale Klimapolitik die weitreichenden Veränderungen in den Ozeanen nur ungenügend in ihre Strategien integriert.

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    Im Dezember 2018 veröffentlichten amerikanische Wissenschaftler der University of Colorado in Boulder ihre Studie zum Meeresspielgelanstieg. Sie konnten nach gründlicherer Auswertung verschiedener Satelliten-Daten belegen, dass der Anstieg des Meeresspiegels nicht linear verläuft, wie zunächst vermutet, sondern exponentiell. Man solle deshalb von einem Anstieg bis 2100 von 65 cm ausgehen. Und das ist schon die günstigste Schätzung, einige Forscher vermuten ihn noch höher.
    Bedingt durch die Topographie des Meeresbodens gibt es jedoch keinen weltweit einheitlichen Meeresspiegel, somit werden an manchen Küsten die Anstiege höher ausfallen, an anderen eventuell sogar sinken.

    Die Geschwindigkeit mit der der Klimawandel und der Anstieg des Kohlendioxids die Weltmeere schädigen, legt eine schnellere Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen nahe. Weiterhin müssen speziell auf die marinen Klimafolgen ausgerichtete Programme aufgebaut werden. Bis 2020 muss die Problematik des Klimawandels auf See vollständig in die internationale Klimapolitik integriert sein.

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    Belastungen

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    Die ökologische Situation der Meere ist kritisch. Küstenökosysteme gehen großflächig verloren, die Verschmutzung und Überfischung nehmen zu. In der Regel sind es keine plötzlichen Katastrophen, die die Verschlechterung der Umwelt bedingen, sondern schleichende Prozesse. Seitdem der „Club of Rome“ 1972 mit seiner Studie „Die Grenzen des Wachstums“ eine der ersten globalen Prognosen zur ökologischen Zukunft des Planeten veröffentlicht hat und die internationale Umweltbewegung ihren Anfang nahm, sind inzwischen mehr als 43 Jahre vergangen und selbst mittel- und langfristige Warnungen hatten genügend Zeit sich zu bewahrheiten.

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    An den Küsten hat eine Industrialisierung der Meere eingesetzt, die in weiten Teilen von den Umwelt- und Ressourcenkrisen an Land angetrieben wird. Fischerei und Schifffahrt haben sich deutlich intensiviert, die Offshore-Ölförderung ebenso wie auch der Ausbau der Siedlungsgebiete und Infrastrukturen an den Küsten. Neue Nutzungen wie der Bau von Offshore-Windenergie-Anlagen sind als neue Belastungen hinzugekommen. Insgesamt nimmt die menschliche Nutzung der Meere eine neue Qualität an. Das Meer hat seine Geheimnisse endgültig verloren und nicht nur die Forschung, auch der Zugriff auf die Meeresressourcen stößt in die Tiefe vor und nimmt zugleich enorme Ausmaße an. Allein die geschätzte Menge an Sand und Kies, die jährlich im Meer abgebaut wird, liegt bei etwa 15 Milliarden Tonnen.

    Das aktuell prominenteste Thema des Meeresschutzes ist die globale Vermüllung der Meere mit Plastik.

    Und selbst der Plastikmüll ist wiederum nur ein kleiner Ausschnitt der Meeresverschmutzung, die durch die alltägliche Einbringung von Pestiziden, Reinigungsmitteln, Industriechemikalien, Medikamenten und Hormonen in die Meere geschieht. Ebenso wenig bleiben die Meere von Giftmüll und radioaktiven Stoffen verschont. Sie werden über die Meere in Länder transportiert, die ihnen als Endlager dienen sollen und zumeist im globalen Süden liegen.

    Die Überdüngung ist eine weitere globale Bedrohung für die Ökologie der Weltmeere. Ungefähr 80 Prozent der marinen Ökosysteme sind von überhöhten Nährstoffeinträgen betroffen. Derzeit können über 500 Totzonen gezählt werden, in denen am Meeresboden Sauerstoffmangel herrscht. Die drei größten Totzonen befinden sich in der Ostsee (84.000 km2), im Schwarzen Meer (40.000 km2) sowie im Golf von Mexiko (22.000 km2).

    Weltweit gelangen über Luft und Wasser jährlich etwa 43 Megatonnen Stickstoff und zwischen 8 und 9 Megatonnen Phosphor in die Weltmeere. Die wichtigsten Einzelquellen sind die Landwirtschaft, Autoabgase sowie Abwässer aus der Industrie und Privathaushalten. Bis 2020 sollte die Menge der Nährstoffeinträge in Gebieten, die von Überdüngung betroffen sind halbiert werden. Perspektivisch müssen auch hier End-of-Pipe-Strategien wie Klärung durch grundlegende Lösungen in der Produktion und dem Einsatz von Nährstoffen ersetzt werden. Ein entscheidender Ansatzpunkt ist der Abbau der Massentierhaltung sein.

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      Meereskunde

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      Die Ozeane haben eine durchschnittliche Tiefe von etwa 3.700m und nehmen mit ihren 362 Mio. km² rund 70,8% der Erdoberfläche ein. Der Pazifik ist der größte Ozean und bedeckt mit 181.340.000km² ein Gebiet, das größer ist als die Oberfläche des Mars. Über 91,1% der Ozeane erstreckt sich die offene See, während die Schelfmeere mit ihren 32,2 Mio. km² die verbleibenden 8,9% ausmachen. Schelfe sind die von den Ozeanen überspülten Ränder der Kontinente, haben eine geringe Neigung und Tiefe und sind im Durchschnitt knapp 80km breit. Unter der offenen See verbergen sich die Kontinentalhänge sowie die unterschiedlichen Formationen am Meeresgrund wie die über 100 Mio. km² weiten Ebenen, Canyons, wie der bis zu 11.000m tiefe Marianengraben, oder die vielen tausend Seeberge, zu denen auch der höchste Berg der Erde zählt, der 10.203m hohe Mauna Kea.

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      Geschätzt 2,2 Mio. höhere einzellige und mehrzellige Arten leben in den Ozeanen. Etwa 220.000 dieser Arten wurden bisher, unter anderem vom Census of Marine Life, erfasst. Die pflanzlichen Meereslebewesen, das Phytoplankton, produziert etwa 50% des Sauerstoffs und so atmen wir mit jedem zweiten Atemzug Meeresluft. Alle globalen Kreisläufe und die gesamte Biosphäre sind mit den Weltmeeren verbunden.

      Die Tiefsee ist die mit Abstand größte Ökoregion auf unserem Planeten und umfasst 90% aller marinen Habitate bis hinunter in eine Tiefe von gut 11.000m. James Cameron, war 2014 erst der dritte Mensch, dem es gelang zum Boden des Marianengrabens zu tauchen, zur tiefsten Stelle der Ozeane. Nicht einmal 0,001% der Tiefsee sind bisher wissenschaftlich erkundet und 91% der Arten der Tiefsee gelten noch als unbekannt.

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