Zu lange vernachlässigt – Die Ozeane im Klimawandel

Workshop zur Bedeutung einer maritimen Klimapolitik
für Umwelt und Entwicklung

Donnerstag, 07.12.2017, 13:30-18:00 Uhr
Diorama, Überseemuseum Bremen
Bahnhofsplatz 13 in 28195 Bremen

Der Klimawandel verändert die marinen Ökosysteme weltweit tiefgreifend. Die Wassertemperaturen, der Sauerstoffmangel in Küstengewässern, die Versauerung des Meerwassers wie auch der Meeresspiegel steigen kontinuierlich an. Insbesondere der Zustand sensibler Ökosysteme wie der von Mangrovenwäldern, Seegraswiesen und Korallenriffen verschlechtert sich dabei zunehmend. Verstärkt wird dies durch andere kumulative Faktoren wie Überfischung, Lebensraumverlust, Überdüngung oder die Einwanderung neuer Arten. Betroffen sind Natur und Mensch – und vor allem die ärmsten Küstengemeinden sind am stärksten von einer intakten Meereswelt abhängig.
Die Fischerei nimmt hierbei eine Schlüsselrolle ein. Die Klimafolgen für Fischereiwirtschaft und Aquakultur werden aller Voraussicht nach in erster Linie negativ sein. Der Fischerei drohen Fangverluste, die regional die Ernährungssicherheit gefährden können. Jahrzehntelange hat die Überfischung zahlreiche Fischbestände drastisch schrumpfen lassen, nun verschärfen klimabedingte Veränderungen diese Entwicklung zusätzlich. Verbreitungsgebiete verlagern sich aufgrund des Temperaturanstiegs. Die Ozeanversauerung führt zu einer geringeren Vermehrungsrate. Der Meeresspiegelanstieg gefährdet die für Jungfische wichtigen Küstenökosysteme. Die Abnahme des Sauerstoffgehalts im Meer lässt tote Zonen entstehen, mit denen die Fische ihre Habitate verlieren. Letztlich wächst die Konkurrenz um die verbliebenen lukrativen Fanggebiete und die Kleinfischerei gerät mehr und mehr in Bedrängnis.
Gerade die Kleinen Inselstaaten werden durch den Klimawandel in Mitleidenschaft gezogen. Neben den negativen Effekten für die Fischerei sind es der Meeresspiegelanstieg und die Versauerung der Ozeane, die die Existenzgrundlagen dieser Länder gefährden. Der Meeresspiegelanstieg zieht schon heute kostspielige Küstenschutzmaßnahmen und zukünftig möglicherweise wachsende Migrationsbewegungen nach sich. Ganze Inseln könnten unbewohnbar werden und das Risiko von katastrophalen Unwettern getroffen zu werden, steigt.
Brot für die Welt, Fair Oceans und das Forum Umwelt und Entwicklung laden ein, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane und Meere zu diskutieren. Obwohl deren Konsequenzen für Umwelt und Entwicklung weitreichend sind, wurden sie lange Zeit vernachlässigt. Während bei vielen Klimaproblemen Art und Umfang der Auswirkungen noch diskutiert werden, lassen sich die negativen Einflüsse auf die Meeresökosysteme bereits tagtäglich beobachten. Der Workshop soll deshalb nach überfälligen Perspektiven für eine Lobbyarbeit im Schnittfeld von Klima- und Meerespolitik suchen.
Der Workshop soll vor diesem Hintergrund die folgenden Fragen erörtern: Wie wirkt sich der Klimawandel auf marine Ökosysteme aus? Wie bindet die Klimapolitik die Herausforderungen der Meerespolitik sinnvoll ein? In welchem Verhältnis stehen die Anstrengungen zum Schutz der Kleinfischerei und die internationale Klimapolitik? Wie muss eine verantwortungsvolle und umweltgerechte Klimapolitik für die ärmeren Küstenregionen und Kleinen Inselstaaten gestaltet werden? Wie lassen sich Katastrophenrisiken mindern und die Küstenökosysteme schützen?

Programm:

13.30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Kai Kaschinski, Fair Oceans

13.40 Uhr
Vortrag: Die Ozeane und Meere im Klimawandel – Der Blickwinkel des Weltklimarates
Prof. Hans-Otto Pörtner, Alfred-Wegener-Institut
mit anschließender Diskussion

14.20 Uhr
Vortrag: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschen in Küstenregionen des globalen Südens
Prof. Achim Schlüter, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung
mit anschließender Diskussion

15.00 Uhr
Vortrag: Die Fischerei im Klimawandel: Gewinner und Verlierer
Dr. Werner Ekau, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung
mit anschließender Diskussion

15.40 Uhr
Kaffeepause

16.10 Uhr
Vortrag: Genug für alle? Fisch-Gerechtigkeit in Zeiten von Klimawandel und wachsender Weltbevölkerung
Karoline Schacht, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (ehem. WWF Deutschland)
mit anschließender Diskussion

16.50 Uhr
Vortrag: Der Meeresspiegelanstieg und seine Folgen für kleine Inselstaaten
Prof. Ben Marzeion, Universität Bremen
mit anschließender Diskussion

17.30 Uhr
Abschlusssdiskussion: Ansätze für eine Lobbyarbeit im Schnittfeld von Klima- und Meerespolitik
Marie-Luise Abshagen, Forum Umwelt und Entwicklung
Francisco Mari, Brot für die Welt

18.00 Uhr
Verabschiedung